Hotel Mama.

Im Jahre 2014 fehlt es den großen deutschen Konzernen an Mitarbeitern die gerne Verantwortung übernehmen. Verantwortung bei der Leitung einer Abteilung oder bei dem Organisieren eines großen Projektes. Obwohl Berufe mit hoher Verantwortung meist auch ein höheres Gehalt mit sich bringen, scheuen sich viele Arbeiter davor. Vielleicht weil sie häufig nicht wissen, wie sie damit umzugehen haben. Bekanntlich lernt man was Verantwortung bedeutet meistens, wenn man auf sich ganz alleine gestellt ist. Eine gute Möglichkeit dies zu erfahren hätte man also bei seinem ersten eigenen Haushalt, seiner ersten eigenen Wohnung. Eine Verantwortung die auch Negatives mit sich bringt.

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Der erste eigene Umzug bringt sowohl große Kartons als auch große Verantwortung mit sich.

Die erste eigene Wohnung. Der große Traum von Freiheit.

Fast jeder junge Erwachsene hat sich schon einmal darüber Gedanken gemacht wie sein Leben nach dem Auszug aus dem Elternhaus aussehen wird. Die Meisten haben nur ein Ziel: Möglichst schnell weg von Zuhause, selbst Initiative ergreifen. Doch das sieht nicht jeder so. Durch immer teurer werdende Mietpreise vor allem in Großstädten ist das Leben im eigenen Elternhaus natürlich für die Meisten die kostengünstigere Variante. Zuhause bekommen sie das Essen, die sonstigen Kosten wie Wasser und Strom sowie die komplette Miete komplett erstattet. All diese Punkte fallen bei einer eigenen Wohnung auch dem eigenen Geldbeutel zur Last. Ein Bekannter aus meiner Nachbarschaft studiert und wohnt auch bei seinen Eltern. Trotz seines kleinen Einkommens bei einem Aushilfsjob kann er sich die neuesten technischen Gadgets sowie Markenklamotten leisten – weil es seine einzigen Ausgaben sind.

Auf der anderen Seite kann es allerdings auch sehr peinlich sein noch von Mami durchgefüttert zu werden. Denn welches Mädchen ist schon angetan von einem jungen Mann der nicht mal in der Lage ist ohne seine Mutter (oder ihre künftige Schwiegermutter) zu leben.
In vielen einfach gehaltenen Dating Shows ist die Antwort: „Bei meinen Eltern“, nach der Frage wo man denn wohne deshalb auch ein absolutes No-Go.

Ein weiterer Vorteil eines Lebens daheim ist natürlich die ständige Verpflegung und Fürsorge. Die Wäsche ist ständig gewaschen, es gibt frisch gekochtes Essen und auch um den Haushalt muss man sich eigentlich nicht häufig kümmern. Ein gutes Beispiel dafür finde ich in mir selbst. Zwar muss ich meinen Eltern auch teilweise behilflich sein, vergleichbar mit dem managen eines eigenen Haushaltes ist dies jedoch definitiv nicht.

Die Verpflegung und Fürsorge ist jedoch nicht immer nur positiv. Durch ständige Anwesenheit und zwanghafte Fürsorge der Eltern ist die Privatsphäre der noch zu Hause Wohnenden stark eingeschränkt. Man ist nie wirklich für sich alleine und auch bei Besuch sind es meistens die Eltern die einen sagen lassen: „Nein gehen wir lieber doch zu dir“. Viele meiner Freunde laden nur Freunde zu sich ein wenn die Eltern dann mal über ein verlängertes Wochenende in den Schwarzwald in ein Wellness Hotel fahren.

Manchmal kann die Anwesenheit der Eltern allerdings auch sehr hilfreich sein. Gerade wenn man Probleme hat, sei es in der Schule oder auch Privat, findet man in den Eltern meist einen geeigneten Ansprechpartner der durch seine Erfahrung häufig einfach mehr zu gewissen Themen zu sagen hat wie beispielsweise die eigenen Freunde. Kinder die keine Eltern haben mit denen sie reden können haben häufig Probleme mit ihren Gefühlen klar zu kommen und suchen andere Möglichkeiten diese zu verarbeiten. Das Gegenteil davon tritt allerdings auf, wenn die Eltern wirklich ständig anwesend sind. So lernt man nicht wie es ist Probleme selbstständig zu lösen oder mit diesen umzugehen und man wird nie wirklich erwachsen. Sehen kann man dies an Erwachsenen mittleren Alters die noch zu Hause wohnen. Unser ehemaliger Grundschullehrer wohnte sehr lange zu Hause und bekam von seiner Mutter immer ein Pausenbrot gemacht. Als ich dann in der vierten Klasse war zog er von Zuhause aus und hatte plötzlich keine Brot mehr dabei. Statt sich ein eigenes zu richten verzichtete er einfach komplett darauf – weil er es nicht anders gewohnt war.

Mit dieser ständigen Fürsorge lernt man also nicht was es bedeutet auf sich alleine gestellt zu sein und die im Leben so wichtige Selbstständigkeit fehlt zu großen Teilen. Wie stark viele wirklich von ihren Eltern abhängig sind merken sie erst wenn sie dann das erste Mal ohne ihre Hilfe auskommen müssen.

Insgesamt finde ich es wichtig ein Mittelmaß zu finden. Wir persönlich halten sehr viel von einer guten Beziehung zu seinen eigenen Eltern. Doch ist es keine Beziehung die man bis an sein Lebensende unter einem Dach ausleben sollte. Es ist eine Beziehung die ab einem gewissen Alter nur mit einem ausreichenden Abstand funktionieren kann. Ist dieser Abstand nämlich nicht vorhanden kann es zu den oben genannten Problemen kommen und der eigene Charakter profitiert davon sehr wenig. Eine Gesellschaft die so aufgebaut ist kann außerdem nicht bestehen. Denn wenn man mit Anfang 30 noch nicht einmal seine Wäsche waschen kann, wie soll man dann in der Lage sein eigene Kinder zu erziehen oder eine Ehe zu führen? Oder wie soll es möglich sein im Beruf Verantwortung zu übernehmen ohne, dass die Eltern einen auffangen wenn es zu Komplikationen kommt?

Wahrscheinlich gar nicht. Deshalb genießt die Beziehungen bei euren Eltern lange genug – aber denkt auch daran einen Schlussstrich zu ziehen, und auszuziehen, wenn es an der Zeit ist. #Selbstständigkeit

booktrive. because we are tifferent.

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