Ey?! Behindert?!

Doris ist 13 Jahre alt und sitzt gerade in der zweiten Reihe des Klassenzimmers 216 des Schiller Gymnasiums während ihnen Frau Müller etwas über das Dritte Reich erzählt. Was Frau Müller neben den schrecklichen Taten der Nationalsozialisten an den Juden jedoch nicht erzählt, sind die Verbrechen der Nazis an Behinderten, denn Frau Müller ist sich unsicher, wie Doris auf diese Information reagieren würde. Denn Doris ist kein normales Kind. Sie hat Trisomie-21.
Dennoch hat Doris starke und schwache Fächer wie ein ganz normales Kind. Sie hat Bestnoten in Bildender Kunst und Religion und eher unterdurchschnittliche in Fächern wie NWA oder Mathematik. Dass Doris trotz ihres Handicaps auf ein normales Gymnasium geht, verdankt sie dem Beschluss des Kultusministeriums von 2011 und ihren Eltern.
Aber welche Möglichkeiten ergeben sich für Doris und ihre Klasse aus diesem Beschluss der Inklusion der Kultusministerkonferenz und auf welche Schwierigkeiten und Grenzen trifft sie?

Menschen mit Behinderung wurden beziehungsweise werden manchmal auch “Menschen mit besonderen Fähigkeiten” genannt. Was sich zu Anfang etwas herabstufend anhört, ist eigentlichs nichts als die pure Wahrheit. Die meisten Kinder mit Trisomie-21 haben einen ausgeprägten Sinn für Kunst. Dies kann ich aus erster Hand bestätigen, da meine Tante trisomie-21 hat und ich schon zu vielen geburtstagen ein wunderschönes und nebenbei immer fröhlich gehaltenes, selbstgemaltes Bild bekam.
Erste Auswertung an Schulen haben ergeben, dass die meisten Kinder, rotz ihrer geistigen Behinderung, überdurchschnittliche Noten in Fächern wie Bildende Kunst erzielen.
Oft wir die fehlende Toleranz der Menschen gegenüber Behinderten angeprangert. Befürworter der Inklusion greifen gerade diesen Punkt auf. Ein behindertes Kind ist eine Bereicherung für eine jede Klasse, denn sie erweitern den Horizont der Schüler und auch der Lehrer. Wenn beispielsweise Thomas jeden Tag zusammen mit Doris den Heimweg antritt, mit ihr spricht, und gleichzeitig Markus aus seiner Parallelklasse im Rollstuhl vor sich herschiebt, weil er das rollende Ding so cool findet, dann wird Thomas vermutlich nie einer der Menschen, die sich in Gegenwart von Behinderten unsicher fühlen. Thomas “arbeitet” auch nicht mit Behinderten sondern unterhält sich mit seinen Freunden, die eben ein wenig eingeschränkt sind.
“Alle Menschen sind gleich” und “jeder Mensch hat das Recht auf Bildung”, so oder so ähnlich lauten zwei der wichtigsten Artikel unseres Grundgesetzes. Als erstes stellt sich natürlich die Frage, warum es 62 Jahre gedauert hat, bis diese Artikel von den Kultusministern erkannt und verwirklicht wurden. Viel wichtiger ist allerdings die Frage, wie es jetzt, 65 Jahre nach in Kraft treten des grundgesetzes aussieht. Man muss sagen, dass die Umsetzung der Inklusion eher durchwachsen verläuft. In der Zwischenzeit hörte man von einem Hochschulabsolventen mit Down-Syndrom, dessen Geschichte als Zeichen der unglaublichen Toleranz unserer glorreichen westlichen Welt verfilmt wurde, aber auch jüngst von zwei Eltern die vor Gericht zogen, da kein nahe liegendes weiterführendes Gymnasium bereit war ihren behinderten Sohn nach der Grundschule weiter auszubilden. Die Frage, warum so etwas nicht verfilmt wird, erübrigt sich vermutlich. Gleichberechtigung von behinderten Kindern ist nicht zu unterschätzen, schließlich weiß niemand, ob ein Kind auf der weiterführenden Schule nicht plötzlich aufblüht.
Nach der Geburt des Mannes mit Down-Syndrom hätte sicherlich ebenfalls niemand erwartet, dass dieser später einen Hochschulabschluss hat. Das so eben genannte Beispiel zeigt ganz klar auf, dass Kinder mit Behinderung ebenso viel Potenzial haben wie normale Kinder. Es ist unbestritten, dass die Inklusion viele Vorteile mit sich bringt, aber warum lehnen dann reihenweise Gymnasien einen behinderten Schüler, wie oben bereits erwähnt, ab? In der Stellungnahme der Schule hieß es:”Unsere Schule besitzt leider nicht die Kapazität und die Mittel, ihrem Sohn einen Schzlplatz anzubieten”. Behinderte Kinder erfordern eine besondere Betreuung und vor allem behinderte Kinder die im Rollstuhl sitzen, können, sollte die Schule keinen Aufzug besitzen, sehr teuer werden, da das Schulaus erst einmal behindertengerecht umgestaltet werden muss. Doch nicht nur die finanziellen Mittel spielen eine große Rolle. Viele Schulen haben Angst das weniger Eltern von “normalen” Kindern sich für ihre Schule entscheiden, da bei vielen EWltern die MEinung vorherrscht, wenn ein behindertes Kind in der Klasse ist, wird das Niveau der ganzen Klasse gesenkt, da zum Beispiel statt der vier vorgesehenen Stunden zum erlernen von Bruchrechnen, sechs benötigt werden. Kinder sind grausam, und die Illusion, dass Behinderte gleich sind ist schlicht und ergreifend falsch. Eine der größteb Schwieirgkeite, die eine Inklusion mit sich bringt, lässt sich nicht mit poltischen Reden lösen oder mit Gerichtsverfahren, denn eines der größten Probleme sind die Klassenkameraden. Niemand kann vorhersehen wie Mathias reagiert, wenn er zum ersten mal ein Kind mit Trisomie-21 sieht und dieses dann auch nicht in dieselbe Klasse geht wie er. Auch die Tatsache, dass Kinder mit Down-Syndrom schwächer in Fächern wie Sport sind oder in der großen Pause nicht so schnell können, ist sicherlich nicht hilfreich. Die Grenzen zu Mobbing sind bei Kindern, gerade der Unterstufe, also in den Jahren in denen die Grundlagen gelegt werden müssten durchlässig und oft nicht einmal vorhanden.
Aber wer entscheidet jetzt eigentlich, ob ein behindertes Kind auf eine normale Schule darf?
Im Notfall natürlich der Oberste Gerichtshof, aber woher soll ein Richter des obersten Gerichtshofes wissen, ob ein behindertes Kind in der Lage ist beispielsweise das Gymnasium mit dem Abitur zu verlassen?
Genau hierrin liegt das größte Hindernis des Beschlusses der völligen Inklusion. Behindert eißt nicht gleich behindert. Auch hier git es verschiedene Stufen. Besonders stark zeigt sich dies bei Trisomie-21. Es gibt Menschen mit Down-Syndrom, die kaum ein Wort sprechen und dann gibt es welche mit Hochschulabschluss. Wer entscheidet nun also? Die Eltern werden wohl kaum unvoreingenommen entscheiden können und ein Gericht kennt den Behinderten zu wenig, um in wircklich einschätzen zu können. Das alles sind schwere Fragen, deren Antworten wohl nie wirklich fair beziehungsweise befriedigend ausfallen werden.

Vor einigen Woche stellte ein bekannter deutscher Politiker eine These auf, für die er von Befürwortern der Inklusion stark kritisiert und in Frage gestellt wurde. Er behauptete:”Völlige Inklusion ist Illusion.”

So hart dies in einem auf möglichst große Toleranz bedachtem Staat wie Deutschland, klingen mag, kann ich seine Behauptung aus erster Hand, nämlich aufgrund meiner Trisomie-21 behinderten Tante, bestätigen. Menschen mit Behinderung gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt und geben unglaublich viel von ihrer Lebensfreude an andere weiter, doch genauso besonders glücklich, wie sie sind, brauchen sie eine besondere und vor allem individuelle Förderung, die in einer Klasse mit 30 anderen Schülern einfach nicht gegeben ist. Wir Deutschen haben das Problem, dass bei vielen von uns eine besondere Förderung, auch bei normalen Kindern mit zum Beispiel Nachhilfe, immer noch als Herabstufung in der Gesellschaft angesehen wird, dabei bedeutet eine individuelle Förderung nur, das beste aus einem jeden Menschen herauszukitzeln. Und wenn ein Mensch mit Behinderung schlau genug ist, mit den “normalen” Kindern mitzuhalten, dann muss er auch auf eine normale Schule gehen dürfen, aber eben nur der, der während der individuellen Förderung zeigt, dass dies der richtige Weg für ihn ist.
Völlige Inklusion ist wahrlich eine Illusion. Individuelle Inklusion ist aber ein Schritt in die richtige Richtung.

INKLUSION – der richtige Weg?

 

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